Hallo ihr!

Nichts kann mir in Sekunden mehr Bodenhaftung verschaffen als eine unverhoffte, beschissene Nachricht aus meinem direkten Umfeld. Mitte letzter Woche war es wieder einmal so weit. Erst habe ich noch quietschvergnügt am Schreibtisch gesessen und schon im nächsten Moment starrte ich, aufgeschreckt durch ein Telefonat, sprachlos auf den Bildschirm.

Dieses Telefonat ist der Grund meines heutigen etwas nachdenklichen Artikels. Mir selbst geht es abern wirklich gut, bis auf einen verklemmtem Ischias Nerv, der mich am herumspringen hindert,. Also kein Grund zur Besorgnis. Ich möchte mit euch aber trotzdem ein paar Gedanken teilen, die in meinem Kopf Karussell fahren.

Die Zeit rennt und treibt uns in unserem Alltag vor sich her. Es gibt Tage und Wochen, die laufen so schnell an uns vorbei, dass wir am Ende nicht einmal mehr mit Sicherheit sagen können, was wir alles erlebt haben. Viele Dinge, die eigentlich wichtiger sein sollten als Arbeit, Aufgaben und Alltagsgeschehen bleiben dabei allzu oft auf der Strecke.

Ein Telefonat mit der Familie, ein Besuch bei einem alten Freund, ein nettes Wort mit dem Nachbarn oder die Versöhnung mit einem Menschen, den man wegen einer Meinungsverschiedenheit aus den Augen verloren hat. Aufgeschoben auf einen anderen Tag, in eine anderen Zeit, nur nicht heute, nur nicht jetzt.

Beruflich ausgepowert, strebsam nach Erfolg gehascht, wie auf einer Jagd nach dem goldenen Flimmern in morgendlicher Luft, immer weiter rennend und doch nie dort ankommend, wo man sich eigentlich gerne sehen möchte. Der Versuch, etwas zu ändern, das man eigentlich lange schon verändert haben wollte, scheitert an der eigenen Unfähigkeit, inne zu halten, um sich neu aufzustellen.

Ich glaube, jeder Mensch kennt das, irgendwann steht man morgens auf, verlässt sein Domizil und macht sich auf seinen Weg. Alles läuft in gewohnten Bahnen, die Zeit rennt. Man ist davon überzeugt, abends wieder wie gewohnt zu Hause anzukommen. Nichts deutet darauf hin, dass sich an diesem Ablauf irgendwann einmal etwas ändern könnte. Deshalb verschieben wir Dinge gerne auf den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat. Doch dann plötzlich stehen wir vor einer Tür mit der Aufschrift „Betreten verboten“.

Die Zeit, in der wir etwas Neues hätten entdecken oder anderes verbessern können, ist abgelaufen. Die Tür ist versperrt, vorbei die Zeit, in der man noch einmal etwas hätte verändern können. Gründe für den versperrten Weg gibt es zur Genüge. Eine heimtückische Krankheit, der Tod eines Menschen, das eigene Alter oder die Konventionen der Gesellschaft. Selbst das eigene Ego hindert Menschen daran, eingefahrene Strukturen zu brechen, um Veränderungen zuzulassen.

Letztendlich kann sich die Frage nach den persönlich wirklich wichtigen Dingen nur jeder  selbst beantworten. Für mich steht nach den letzten Tagen aber einmal mehr fest: wichtig sind für mich die Menschen in meinem Herzen. Mein Huhn, meine Familie, meine Freunde und dann die Fotografie; all dass genau in dieser Reihenfolge.

Und jetzt drücke ich mein Huhn, rufe bei meinen Eltern an und organisiere trotz meiner Rückenschmerzen einen gemeinsamen Abend mit meinen Freunden. Fotografiert wird erst wieder nächste Woche. Morgen könnte all das nicht mehr möglich sein und dann möchte ich nicht zu mir sagen müssen, etwas anderes ist halt wichtiger gewesen.

Visueller Gruß

Michi

2 Antworten auf Betreten verboten!

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