Tagchen,

die irrwitzigsten Geschichten erlebe ich zur Zeit bei meinen Jobs am Roter Teppich in Berlin.  Manches davon ist wirklich spaßig, anderes hingegen erschreckend und wieder anderes lässt mir auch schon mal den Atem stocken. Diese Geschichten spielen sich dabei nicht nur auf der edlen Auslegeware selbst, sondern auch hinter den Absperrungen für die Fotografen ab.

Die fotografierende Meute ist ja ein ganz besonders eigenes Völkchen. Da gibt jene Zeitgenossen, die sich fair verhalten und auch Kollegen ein gutes Bild gönnen und es gibt die Egoisten, die immer darauf bedacht sind, möglichst der Einzige zu sein, der brauchbares Bildmaterial anfertigen kann. Dann gibt es die „Lauten“, diese Spezies steht meist brüllend an vorderster Front und ist fest davon überzeugt, auf diese Weise ein besseres Foto machen zu können.

Dass die zu fotografierenden Gäste bei diesem irrsinnigen Geschrei kein einziges Wort verstehen, ist den Schreihälsen dabei sicherlich kaum bewusst. Zwischen diese „Brüller“ verirren sich aber auch immer mal wieder ein paar der eher stillen Kollegen. Diese Fotografen beobachten die Situation, denken voraus und kommen auf diese Weise genauso zum Schuss für ein gutes Foto wie die Schreihälse. Diese Fotografen gehen aber sicherlich oft mit einem pfeifendem Tinitus nach Hause, sollten sie sich nicht mit Ohrstöpseln ausstaffiert haben.

Die Unangenehmsten sind aber die Drängler und Brutalos. Diese gehen anderen Fotografen auch schon mal an die Gurgel, wenn sie vermeintlich glauben, beim Fotografieren zu kurz zu kommen. Sicher, dass kommt seltener vor als der Tinitus, aber auch ich musste bei einem Termin bereits miterleben, wie sich neben mir fast zwei Fotografen geprügelt hätten.

Die Fotografen am „Teppich, der die Welt bedeutet“,  bieten allein schon ein wunderbares Feld für Sozialstudien, wenn es da nicht auch noch die Seite mit dem Glitzer und Glamour geben würde. Die showlaufenden mehr oder weniger prominenten Personen unterteile ich in drei Klassen: A, B und C Prominenz. Anders als man dies aber gemeinhin macht, geht es mir dabei weniger um den Grad der Prominenz, als vielmehr um das persönliche Verhalten derer, die über den Teppich dahin schreiten.

Kategorie A, die Stars: Sie sind nett, freundlich und lassen sich Zeit für Fans, Fotografen und Journalisten. Haben neben dem Posen vor der Kamera auch mal Zeit für ein freundliches Wort, wertschätzen die Arbeit der Anderen und vor allem haben sie nicht Vergessen, wem sie ihren vermeintlichen Ruhm zu verdanken haben. Auch wenn es schwerfallen muss, immer in der Öffentlichkeit zu stehen, es ist der Weg, den sie gehen wollten und da gehört es für sie einfach dazu, sich fotografieren, begaffen oder auch mal etwas dummes fragen zu lassen.

Kategorie B, die Sternchen: Öffentlichkeitsarbeit ist für diese Gattung Prominenz ein notwendiges Übel. Sie möchten zwar im Rampenlicht stehen, nehmen sich aber vermeintlich zu wichtig, um dies dann auch zu zelebrieren. Hektisch und leicht genervt schreiten sie am Mob der Interessierten vorbei, zwingen sich hier und da mal ein Lächeln ab, stoppen sehr kurz für ein Foto und sind danach oft schneller wieder im Schatten verschwunden, als man auf der Straße in einen Hundehaufen treten kann.

Kategorie C, der Staub: Die Protagonisten dieser Kategorie sind entweder so eingeschüchtert vom Interesse an ihrer Person, dass selbst ein Lächeln bemüht und verkrampft ausschaut oder es sind Menschen, die um jeden Preis möglichst viel Beachtung finden möchten. Dabei schrecken letztere auch nicht vor den aller größten Peinlichkeiten zurück.

Abgesehen von der Prominenz gibt es auch noch andere Personen auf diesem roten Bodenbelag. Diese Menschen geraten meist eher durch Zufall auf den Laufsteg der Eitelkeiten. Manche von ihnen merken offensichtlich zu spät, dass sie eigentlich vollkommen uninteressant sind. Freudig gehen sie vor den Kameras in Pose und warten auf das Blitzlichtgewitter. Wird Ihnen dann bewusst, dass niemand ein Foto macht, ziehen sie leicht irritiert und verschämt wieder von dannen.

Bei dem ganzen Brimborium kann ich natürlich verstehen, dass Menschen die merkwürdigsten Dinge machen. Letztlich geht es bei den Fotografierten wie bei den Fotografen nur ums Sehen und Gesehen werden. Wie dem auch sei, mir macht das Gewusel an der Teppichkante einen Mordsspaß und eine kleine Auswahl derer, die ich die letzten Wochen mit meiner D4 fotografiert habe, zeige ich euch hier.

Visueller Gruß

Michi

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