Moin moin,

Die Resonanz auf mein Blog war letztes Wochenende wirklich unglaublich. Bis auf ein fettes Danke an diejenigen, die mir gezeigt haben, dass es in diesem Land auch Menschen gibt, die einen Text mit mehr als nur 140 Zeichen lesen und verstehen können, will ich dazu aber vorerst nicht mehr viel schreiben.

Seinen Lebensunterhalt mit kreativer, künstlerischer Arbeit wie Fotografie, Musik, Film oder Literatur zu bestreiten, ist ein sehr hartes Geschäft. Wenn Menschen dann die Ware, ob Bilder, Filme, Musik oder Texte einfach klauen und kostenfrei verbreiten, zerstörten sie mit ihrem Handeln, die Existenzgrundlage kreativer Menschen. Damit aber genug zu letzter Woche, es gibt schließlich ja auch noch andere Themen.

Dass die Fotografie für manche Menschen ein Beruf darstellt, sollte spätestens dann klar sein, wenn einmal ein Bild benötigt wird, das brillant und einfach schön ist. Vor allem aber dann, wenn sich das Bild auch noch von der allgemeinen Handybilderflut absetzen soll. Dass der Beruf des Fotografen dabei aber kein einfaches Geschäft ist, wissen sicher die wenigsten. Es gibt wirklich einfachere Möglichkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen als ausgerechnet mit der Fotografie.

Für mich ist es der Traumberuf, nach dem ich immer gesucht habe. Für diesen Traum  nehme ich die Härte des Geschäfts gerne auf mich. Dass ich zur Zeit hauptsächlich Pressearbeit mache, tut der Freude an dieser Tätigkeit absolut keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Es spornt mich an, einfach immer besser zu werden. Exklusive Termine wie beispielsweise mit Queensberry vor ein paar Tagen sind die Sahnehauben für diese Arbeit.

Karl Pawek schrieb in seinem Buch einmal: „Der Künstler erschafft die Wirklichkeit, der Fotograf sieht sie.“. Wenn er damit recht hätte, und das sehe ich ein wenig anders, dann mache ich zur Zeit genau das, was ein Fotograf eben macht, die Wirklichkeit abbilden.

 
Dass die werten Herrn Kollegen mit den Kameras bei den Presseveranstaltungen letztlich alles Konkurrenten um das beste Bild sind, ist hierbei absolut logisch. Gerade Pressearbeit ist nicht nur von enormem Zeitdruck geprägt, sondern vor allem auch von der Exklusivität der Meldung. Ob diese nun in Form von Bildern oder Text kommt, spielt dabei keine Rolle. Den wenigsten interessiert eine Meldung von gestern, es sei denn, sie nimmt Bezug auf etwas von Morgen.

Presseveranstaltungen laufen im Grunde immer gleich ab. Nach der Akkreditierung kommt  man möglichst früh am Ort des Geschehens an, reserviert sich seinen Platz und wartet auf das Ereignis welches man fotografieren soll. Dass es zwischen den Fotografen auch schon mal etwas ruppiger zu geht, hatte ich vor kurzem bereits einmal erwähnt.

Letzte Woche aber erlebte ich etwas, dass ich wirklich bemerkenswert finde. Bei der Filmpremiere des Films „Cosmopolis“ vom Regisseur David Cronenberg mit Robert Pattinson in der Hauptrolle, standen wir Fotografen in strömendem Regen vor dem Kino International hier in Berlin und warteten auf die beiden Stars. Dass die versammelten Fotografen, mich eingeschlossen, dies nicht besonders lustig fanden, ist sicherlich verständlich.

Wie ich in einem Gespräch mit einem Kollegen dann erfuhr, war es nicht das erste Mal, dass diese Agentur bei einem Event im Freien einfach darauf verzichtet hatte, ein Dach oder Zelt für die Fotografen bereitzustellen. Professionell ist das sicher nicht und scheinbar ist es der Agentur wohl vollkommen gleichgültig, dass die teueren Fotoausrüstungen in der Regel nicht für Unterwasseraufnahmen geschaffen sind.

Die Stimmung unter den Kollegen war dementsprechend durchweg ungehalten. Irgendwann schlug deshalb einer der Kollegen vor, den Veranstalter damit unter Druck zu setzen, einfach einzupacken und keine Bilder von dieser Veranstaltung zu machen. Die Folge wäre gewesen, dass nicht ein einziges Bild dieser Filmpremiere in den Medien erschienen wäre. Für die Agentur sicherlich eine Katastrophe.

Den Fototermin einfach in das Foyer des Kinos zu verlegen, wäre mit ein bisschen Einsatzbereitschaft der Agentur ohne weiteres möglich gewesen und bei einer Flucht der Fotografen, hätten sie wahrscheinlich auch gar keine andere Alternative gehabt.

Leider ist es aber so, dass es in der Welt immer den ein oder anderen Deppen gibt, der aus Eigennutz nicht mit den anderen Kollegen mitzieht. Eben weil es einfach um Exklusivität geht. Wenn aber in einem solchen Fall nicht alle zusammen halten, werden Agenturen wie diese ihr Verhalten niemals ändern und die Fotografen weiterhin im Regen stehen lassen.

Ich weiß, dass einige meiner Kollegen meinen Blog lesen, leider sind es aber nicht diejenigen unangenehmen Zeitgenossen, die der vorherige Absatz zum Nachdenken anregen müsste. Trotzdem hoffe ich, dass sich am Zusammenhalt der Pressefotografen irgendwann etwas ändert, mich würde es freuen.

Visueller Gruß

Michi

 

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