Hallo ihr allseits Überwachten,

zuerst einmal Danke für die vielen Glückwünsche zu meinem Geburtstag. Den Geburtstags-Tag nicht wie letztes Jahr im Koma auf dem OP-Tisch zu verbringen, war dann doch irgendwie besser. Zur Feier des Tages habe ich mir mein erstes Smokinghemd geleistet, denn mit einem  auf Events zu Fotografieren ist manchmal irgendwie unumgänglich. Für mich ist dieses Smokinghemd und die dazugehörige Fliege aber genau die Clownsverkleidung, die ich in Erinnerung an die goldenen 20ger Jahre in Berlin schon immer mal im Schrank haben wollte.

Mein Blog-Artikel handelt heute aber von etwas völlig anderem. Diese Woche schreibe ich über meine Gedanken zu den irrsinnigen Plänen der Schufa.

Wie verkommen muss man eigentlich sein, auch nur darüber nachzudenken, aus Daten eines Socialnetwork Rückschlüsse auf die Liquidität oder den „Wert“ einzelner Menschen ziehen zu wollen. Wie ekelhaft ist es, Menschen in Zukunft dazu zu bringen, darüber nachdenken zu müssen, ob sie sich mit einem anderen Menschen vernetzen möchten oder nicht, nur weil diese Vernetzung sich eventuell negativ auf die eigene Kreditwürdigkeit ausüben könnte.

Die Perversität hinter diesen Plänen der Schufa ist an Widerlichkeit kaum zu überbieten. Es ist ein Gedankengang, der dazu geeignet ist, den Graben zwischen den einzelnen Klassen unserer Gesellschaft um Lichtjahre zu vertiefen. Ich hoffe jedenfalls, dass das nicht das erklärte Ziel dieser feinen Gesellschaft Schufa ist.

Dass man heute von der Schufa schon schlechter bewertet wird, weil man beispielsweise in Berlin das Schicki Micki Viertel Prenzlauer Berg verlässt, um in einem anderen Bezirk bei gleicher Wohnqualität und weniger Mietkosten aber vor allem wegen der geringeren Spießigkeit zu leben, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Dass allerdings, was jetzt von der Schufa angedacht ist und vom Hasso-Plattner Institut an der Universität Potsdam weiterentwickelt werden sollte, bringt für mich das Fass zum überlaufen. Wohngebiete zu instrumentalisieren und dies in die Bewertung der persönlichen Finanzlage mit einfließen zu lassen, ist eine Sache. Ich finde diese Art der Bewertung bereits absurd, aber dass ich jetzt meine Freunde und Bekannten danach aussuchen soll, wie ihre Kontostände vermeintlich aussehen, macht mich wirklich fassungslos.

Ich hoffe für uns alle, dass der Gesetzgeber derartigen Plänen von solch übermütigen Widerlingen, einen Riegel vorschieben wird und zwar zügig. Dass soziale Netzwerke von der Wirtschaft gezielt dazu genutzt werden, die Nutzer dieser Netze mit Werbung zu bombardieren ist bekannt. Dazu kann man stehen wie man will, letztlich tut das aber niemanden direkt weh.

Bei der nächsten Wohnungssuche, dem nächsten Bankgespräch oder der Finanzierung eines PKWs in Zukunft keine Zusage für sein Anliegen zu bekommen, weil der Schufa die Facebook-Kontakte nicht passen, sollte jedem einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Das Hasso-Plattner Institut und scheinbar auch die Schufa selbst haben  mittlerweile wohl kalte Füße bekommen und das Projekt zurückgezogen.

Wenn wir an dem Punkt angekommen sind, an dem wir alle nur noch danach bewertet werden, mit welchen Menschen wir Kontakte pflegen und diese Bewertung vor allem aus der finanziellen Lage dieser Personen gezogen wird, ist es schlimmer als in 1984 von Georg Orwell.

Die Überwachung übernimmt dann nicht nur der Staat, die Überwachung kommt dann auch aus der Wirtschaft und das „Ministerium für Wahrheit“ ist die Schufa. Der Keil, der in die Gemeinschaft und die Beziehungen zwischen den Menschen getrieben würde, könnte gefährlicher und schädlicher nicht sein.

Visueller Gruß

Michi

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