Hallo Ihr lieben,

während Ihr jetzt diesen Blogartikel lest, ich hoffe, ihr habt es Euch bei einer Tasse Kaffee gmütlich gemacht, renne ich durch die Hallen des alten Flughafen Tempelhof und mache Bilder vom Berlin Summer Rave. Und da es so gut passt, erzähle ich Euch heute, wann und wodurch ich in meinem Leben zur elektronischen Musik gefunden habe.

Vor ewigen Jahren, ich muss um die 11 oder 12 Jahre alt gewesen sein, stand ich an einem Karussell auf dem dem Rummelplatz meiner damaligen Heimatstadt und wartete darauf, bei der nächsten Fahrt dabeisein zu dürfen. Aus den Lautsprechern dröhnte die übliche Kirmesmusik und diese wurde immer wieder durch den Menschen in der Steuerzentrale des Fahrgeschäfts mit komischem Hupen und blöden Sprüchen unterbrochen.

Die Menschen im Karussel kreischten vor Vergnügen. Am Rand rund um das Fahrgeschäft lungerten die ganzen halbstarken der Stadt mit ihren Freundinnen herum. Bunte Diskobeleuchtung flackerte und hunderte kleiner Lämpchen beleuchteten die Szenerie zusätzlich.

Dann war es soweit, ich setzte mich in den mir zugewiesenen kleinen Wagen, der sogar ein Verdeck zum Schließen hatte und freute mich darauf, dass es endlich los ging. Ganz langsam setzte sich die Plattform, die einer zur groß geratenen Wäscheschleuder ähnelte, in Bewegung. Plötzlich wurde es dunkel, die Lichter am Fahrgeschäft erloschen und Kunstnebel überströmte das Karussell. Dann setzten Stroboskope ein und die Musik wurde lauter.

Aus den Boxen vernahm ich einen Klang, den ich zuvor noch nicht gehört hatte. Auch kein Hupen oder die Stimme des Ansagers störten diese Klänge. Alles drehte sich um mich herum und mit wilder Fahrt tanzten die Lichter vor meinen Augen. Die Musik fühlte sich neu, frisch und wegen der künstlichen für mich völlig unbekannten Sounds extrem spannend an.

Ich erinnere mich jetzt gerade genau so daran als ob es gestern gewesen wäre. Eine wilde Fahrt mit bunten Lichtern, viel Nebel und lauter Musikbeschallung. Die Fahrt ging irgendwann zu Ende, aber das Lied, das ich dabei zum ersten Mal in meinem Leben gehört hatte, blieb noch lange in meiner Erinnerung.

Es war 1982 und ich hörte die Remixversion von The Human League – Being Boiled. Ich glaube, an diesem Abend auf diesem Rummelplatz in einer hessischen Kleinstadt habe ich meine Liebe zur elektronischen Musik gefunden und diese Liebe habe ich mir bis heute bewahrt.

Ich finde es irgendwie verrückt, dass ich heute, also 30 Jahre später, bei der Vorbereitung meiner Fotodokumentation des Berlin Summer Rave an genau diese eine Karusselfahrt denke. Erst recht, wenn man bedenkt, dass dieses Vergnügen damals nur 50 Pfennig gekostet hat. Ich glaube, dass war die günstigste Horizonterweiterung meines Lebens und ich bin dem Karussellanstupser heute noch dankbar, dass er damals nicht in den Song gequasselt hat.

Visueller Gruß und RAVE – ON

Michi

 

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