Hallo Ihr,

völlig erschlagen, halb taub von der Musik und mit glühenden Füßen bin ich letzte Woche Sonntagmorgens um 10.30 Uhr nach einer sehr, sehr langen Nacht wieder zu Hause angekommen.  Als ich dann etwa eine Stunde später und nach einem kleinen Frühstück mit meinem Huhn, beim Importieren der Bilder aus dieser Nacht am Rechner eingeschlafen bin, dachte ich mir, Auf was hatte ich mich da nur eingelassen.

Heute, also eine Woche nach diesem fotografischen Marathon in den Hangars des  Tempelhofer Flughafens, habe ich den fehlenden Schlaf wieder ausgeglichen und auch die Strapazen dieser 4 Tage im Dauereinsatz spüre ich nicht mehr in meinen Knochen. Die Bilder der Dokumentation des Berlin Summer Rave 3 liegen vor mir auf dem Rechner und ich bin sogar mit dem noch unbearbeitetem Material sehr zufrieden.

Würde man mich genau jetzt fragen, ob ich so ein Projekt nochmals machen wolle, ich würde sofort zusagen. Denn trotz allen Anstrengungen war es ein sehr aufregender und mit viel Spaß verbundener Job. Die Bildbearbeitung liegt zwar in weiten Teilen noch vor mir und verspricht etliche Stunden am Rechner, aber das gehört halt einfach dazu.

Jetzt aber erst mal von vorne. Alles begann recht harmlos am Donnerstag morgen um 8.00 Uhr im Hangar 2 des ehemaligen Flughafen Tempelhof. Ich meldete mich mit meinem Berechtigungsausweis im Produktionsbüro, wo man mich bereits erwartete. Nach einer kurzen Einweisung in die Sicherheitsbestimmungen beim Aufbau drückte man mir einen Bauhelm und eine gelbe Warnweste in die Hand und so ausstaffiert konnte ich dann sofort los legen.

Meine Idee, die Hangars bereits in noch leerem, unberührtem Zustand zu fotografieren wurde durch gewaltige LKWs durchkreuzt, die darauf warteten, das Gewicht einiger Tonnen an Equipment für die Veranstaltung entladen zu bekommen. Kurz nach meiner Ankunft füllten sich auch schon die Hangars mit über 200 Crewmitgliedern, die den Aufbau der Technik dieser Großveranstaltung stemmen mussten.

Ich begann direkt mit dem Fotografieren und stellte dabei schnell fest, dass ein Bauhelm absolut keine geeignete Kopfbedeckung ist, um durch den Sucher einer Kamera zu schauen. Ständig war der Helm im Weg oder rutschte mir vom Kopf. Irgendwann drehte ich den Helm dann wie eine Baseballmütze nach hinten. Fühlte sich zwar komisch an und sah noch dazu absolut bescheuert aus, aber so konnte ich arbeiten, ohne dass mir der Helm ständig vom Kopf fiel.

Während der Donnerstag noch ohne besondere Vorkommnisse bis 22.00 Uhr mit einigen schicken Bildern an mir vorbei zog, war der Freitag doch um einiges aufregender. Ich wollte im Laufe des Tages auch aus dem Gebälk der Hangars fotografieren. Hierfür wurde mir von der Produktionsleitung ein Klettergurt organisiert, ohne den ich auf Grund der Sicherheitsbestimmungen nämlich keine Höhenarbeiten machen durfte.

Dass ich zusätzlich zu meinem schon am Vortag geliebten Helm und der Warnweste jetzt auch noch mit Klettergurt ausgestattet in meiner Bewegung ziemlich eingeschränkt war, könnt ihr euch ja eventuell vorstellen. Dass der Objektivköcher an meinem Gürtel und meine Nikon D4, die ungewohnter Weise um meinen Hals baumelte, diesen Umstand nicht unbedingt besser machten, ist wohl selbsterklärend.

Mit dieser Montur balancierte ich dann auf dem als Catwalk bezeichneten 30 cm breiten Steg aus Gitterblech etwa 20 Meter über dem Hallenboden und machte die anstrengendsten Bilder meines Lebens. Der Umgang mit dem Klettergurt und den daran befestigten Sicherheitsseilen mit Karabinern, mit denen ich mich überall fest machen musste, behinderte mich bei fast jeder Bewegung.

Ich brauchte ewig, um von einem Punkt der Halle zum nächsten zu kommen und beim Fotografieren rechnete ich jede Sekunde damit, meine Kamera fallen zu lassen, weil ich über eines der Seile an meinem Klettergurt stolpern könnte. Die Szenerie unter mir sah aus dieser Höhe aus wie ein Haufen bunter Spielsachen auf dem Boden eines Kinderzimmers.

Rückblickend empfinde ich den Kletterspaß mit Sicherheitsgurt unangenehmer und unsicherer als er wirklich war. Ständig darüber nachdenken zu müssen, was ich mit dem Gurt als nächstes anstellen muss, lenkt doch gefährlich von der eigentlichen Gefahr, in die Tiefe zu stürzen, ab und das Fotografieren macht so auch keinen wirklichen Spass. Aber für die Zukunft sollte ich ein wenig das Klettern mit so einem Gurt üben.

Am Samstag machte ich mich erst Nachmittags auf den Weg. Meine Kamera ließ mich in den dann folgenden 17 Stunden trotz Dauereinsatz nicht im Stich. Nachdem um 09.00 Uhr morgens dann die letzten Gäste aus den Hangars verschwunden waren, fotografierte ich noch etwa eine Stunde die Hinterlassenschaften einer wilden, tollen und stimmungsgeladenen Nacht auf dem Berlin Summer Rave.

Insgesamt habe ich in diesen 4 Tagen sicherlich an die 50 km in den Hangars zurückgelegt. Ich habe etliche Fotos gemacht und einige wirklich spannende Leute kennenlernen dürfen. Leider würde ein genauerer Bericht hier den Rahmen sprengen und wenn Ihr hier zum Schluss noch wissen möchtet, was mit den ganzen Bildern jetzt geschehen wird, ich kann es euch noch leider noch immer nicht verraten.

Visueller Gruß

Michi

2 Antworten auf 48 Stunden Rave-Fotomarathon

  • Ben sagt:

    Moin Moin, ba ich bin schon sehr gespannt, was am Ende dabei rauskommen wird 😉 und dein Angebot auf nen Kaffee – ich bevorzuge nen kühles blondes – nehme ich auch gerne demnächst an.

    😉

    Beste Grüße
    Ben

  • Hallo Michi,

    in dem Dschungel, Was der Internet heut zu Tage einem anbietet, weiß ich nicht mehr, wie ich zu deiner Webseite angekommen bin. Ich weiß aber genau, warum und über was ich hier schreiben werde! Deine Artikel und Fotos Über Tempelhofer Flughafen, was ich mit Interesse gelesen habe, hat mich zwei tausend Jahre (!) zurück geworfen, noch in den Flugbetrieb zeit, in den ich als Ahnungsloses Junges Mädchen mit viel Ideen und Wünschen aus Schwarzmehrküste nach Berlin geflogen und angekommen bin. Meine Erinnerungen und Gefühle, kann ich hier mit einige Wörter nicht beschreiben. Für mich wahr es –auch immer noch- einen unbeschreiblichen Tag, die meinem leben bis heute noch beeinflusst; Den Heimat zu verlassen und hier, in Ungewissheit an zu kommen.

    Meine beste Wünsche für alles farbige…

    Zeynep Delibalta

    < Facebook-Link entfernt >

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