Tagchen,

dass Facebook nicht das liebe, nette und uneigennützige Kuschel-Nezwerk ist, sollte sich eigentlich jeder denken können. Spätestens aber nach dem Börsengang des Unternehmens muss doch klar gewesen sein, dass es um Geld geht, um viel Geld sogar. Und mit was verdient Facebook Geld? Richtig, mit Werbung und den Daten seiner Nutzer.

Im Frühjahr diesen Jahres verbesserte Facebook seine Möglichkeiten, die gesamten Daten seiner Nutzer auf legalem Wege noch besser vermarkten zu können. Facebook änderte kurzerhand seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Krass ausgedrückt steht da seit Juni drin, alles was die Nutzer von Facebook auf Facebook und in Ihren Profilen posten, kann von Facebook für fast alles genutzt und vermarktet werden. Das gilt für Fotos und Texte und natürlich nahezu alles was man direkt in Facebook veröffentlicht.

Gegen diese Änderung der Facebook AGBs konnten die Nutzer noch bis zum in Kraft treten der Änderungen abstimmen. Leider haben sich an dieser Abstimmung aber nur ca. 350.000 Leute beteiligt. Ich selbst war einer davon. Ich habe ausserdem noch im Mai auf meinem Facebookprofil auf die Abstimmung hingewiesen, spannend daran ist, dass dieser Hinweis heute nicht mehr zu finden ist.

Facebook hatte diese Abstimmung sehr tief in seinem Netzwerk versteckt und auch nicht unbedingt aktiv dafür gesorgt, dass alle Nutzer von dieser Abstimmung erfahren. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Inwieweit die Abstimmung überhaupt ehrlich verlaufen wäre, darüber kann nur spekuliert werden. Facebook hatte schließlich ein ganz großes Interesse daran, dass die AGBs in der Form wie sie verändert wurden auch geändert werden konnten.

Jetzt ist es auf jeden Fall zu spät, sich noch dagegen zu wehren, die AGBs wurden von allen Nutzern angenommen und bestätigt. Warum aber schreibe ich dennoch erst heute, Monate nach der Änderung über dieses Thema? Ganz einfach, seit Tagen posten alle möglichen Leute permanent einen Einspruch gegen diese Änderung der AGBs in Ihren Facebook-Profilen. Sie glauben dadurch ernsthaft ihre Rechte an ihren Facbook-Einträgen zu gesichert zu haben und den AGBs in Teilen zu widersprochen zu haben. Dem ist aber leider überhaupt nicht so.

Leider ist dieser Versuch völlig sinnlos und für Facebook selbst wahrscheinlich auch absolut lächerlich. Rechtlich hat das Posten dieses Einspruchs auf den Profilen überhaupt keine Auswirkungen. Die einzige Möglichkeit wirklich Einspruch gegen die AGBs auszusprechen, ist schriftlich den Änderungen der AGBs von Facebook zu widersprechen. Facebook muss diesen Widerspruch dann allerdings auch annehmen und dem Nutzer diese Ausnahmeregelung dann zugestehen. Das Facebook diesen Widerspruch allerdings anerkennt, kann bezweifelt werden. Eher wird Facebook dem Nutzer vorschlagen, sein Profil zu löschen, wenn ihm die AGBs nicht passen oder das betreffende Profil gleich selbst deaktivieren.

Eine andere Möglichkeit besteht natürlich auch darin, dass eigene Profil zu löschen. Sollten weltweit genug Menschen genau dies machen, würde Facebook eventuell einlenken und die Änderung zurücknehmen. Aber ich glaube soweit wird es niemals kommen. Facebook ist für die meisten Menschen ein einfach zu wichtiger Lebensinhalt als dass sie ihre öffentliche Identität aufgeben würden.

Eins gibt es aber dennoch was Ihr machen könnt, um dem vereinnahmenden Treiben von Facebook etwas entgegenzusetzen. Veröffentlicht einfach nichts mehr auf euren Profilen. Zumindest nichts, dass Ihr nicht verschenken wollt. Keine Fotos mehr, keine tollen Texte, Grafiken oder was weiß ich. Nutzt Facebook, aber überlegt genau was Ihr von Euch preisgeben wollt. Ihr seid das Produkt, mit dem Facebook Geld verdient und damit habt Ihr es selbst in der Hand, wieviel ihr Facebook wert seit.

Ich selber halte das schon immer so, ich habe mein Blog, auf dem ich alles poste. Ob es nun meine Bilder oder meine wöchentlichen Artikel sind. Facebook bekommt von mir lediglich einen einfachen Link. An meinem Blog hat Facebook keine Rechte und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, egal was für Änderungen der AGBs diese Firma in Zukunft auch noch macht.

Das einzige, das Facebook machen kann, ist das Verlinken anderer Seiten generell zu verbieten. Das Verlinken anderer Seiten ist aber ein großer Teil von Facebook und das macht dieses Netzwerk erst interessant. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das verbieten würden. Natürlich könnte Facebook aber auch firmenkritische Profile und Nutzer ganz löschen, die keinen Profit abwerfen, diese Möglichkeit hätten Sie. Fraglich ist allerdings, ob das so gut ankommen würde. Falls ich also bald auf Facebook nicht mehr zu finden bin, lag es wohl am heutigen Artikel.

Visueller Gruß

Michi


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