Amanda Lepore and Harald GloeoecklerHO Ho HO,

da Ihr ja heute mein Blog noch lesen könnt, wurde der Weltuntergang ja scheinbar wieder abgesagt, verschoben oder sonst wie verhindert. Jetzt können wir uns alle genüsslich dem alljährlichen Weihnachtschaos hingeben. Weihnachten hat ja zum Teil auch irgendwie etwas von Weltuntergang, zumindest wenn man die Hamsterkäufe der Menschen in den Geschäften beobachtet.

Da wird gekauft bis die Karten glühen und das Haushaltsgeld bis mindestens Ende Februar auf den Kopf gehauen. Ob der ganze eingekaufte Berg an verderblichen Leckereien bis zum Verzehr nicht längst mit einer dicken Schicht Schimmel überzogen ist, möchte ich mir gar nicht erst ausmalen.

Geschenke müssen gekauft werden, das wird schließlich erwartet. Für die Oma ein Parfüm, dem Papa wieder mal eine Krawatte und Mutti bekommt zum schnöden Badezusatz gleich einen praktisches Badehandtuch mit Blumenmuster. Ob der ganze Plunder auch wirklich gebraucht und gewünscht wurde, bleibt vielerorts am Ende offen.

In meiner Kindheit begannen die Feiertage mit fast immer mit dem selben Ritual, dem Einstielen des Weihnachtsbaums. Dabei wurde zuerst der Christbaumständer mit einem halbstündigen Weihnachtsfluch überzogen, um ihn anschließend unsanft zurück in den Karton mit dem Weihnachtsschmuck zu werfen. Dann wurde ein Putzeimer genommen, Zement angerührt und der meist etwas Windschiefe Baum kurzerhand einbetoniert. Stand bombenfest in der Wohnung und bis mindestens zum Sommeranfang vor dem Haus. Zumindest solange bis im Garten die Terrasse aufgeräumt werden musste.

Nach dem Schmücken des Baumes standen wir regelmäßig im Dunkeln, da die Baumbeleuchtung einen alljährlichen Streit mit dem Sicherungskasten ausfechten musste. Wieso die beiden, also die Lichterkette und der Sicherungskasten, sich nicht ausstehen konnten, ist mir bis heute ein Rätsel. Kaum war der Baum dann aber fertig, ging der Trubel erst richtig los.

Essen und Bescherung mit meinem Bruder bei meinen Eltern. Dann zur ersten Oma, wieder essen und Bescherung, vorher singen. Dann am ersten Weihnachtsfeiertag zur zweiten Oma, essen, Gedicht aufsagen, noch ,ne Bescherung. Am zweiten Weihnachtsfeiertag nach einem Besuch bei meiner dritten Oma wieder nach Hause. Allen war dann schlecht, so dass der Besuch der Tanten und Verwandten zu Kaffee und Kuchen bei uns schon fast zur Tortur wurde.

Weihnachten war damals, wenn Weihnachten am 27. Dezember vorbei war. Wir lagen dann erschlagen im Wohnzimmer, vor uns der vor sich hinnadelnde Baum und in uns das noch nicht verdaute Essen und der Stress der letzten drei Tage. Erschöpft schworen alle es im nächsten Jahr ganz sicher etwas ruhiger angehen zu lassen und wir wussten genauso sicher, dass im nächsten Jahr alles wieder genauso wird.

Wenn ich heute zurückdenke, war dieses Fest, an dem man bunte Sachen an ein piksendes Gehölz hängt und dieses Gehölz dann auch noch feierlich mit Lichterketten dekoriert, in meiner Kindheit alles andere als eine besinnliche Zeit. Aber trotz allem war es aus heutiger Sicht immer verdammt lustig und irgendwie auch schön.

Ich wünsche Euch allen einen erholsamen 27. Dezember!

Visueller Gruß

Michi


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