TheoMoin,

seit ein paar Monaten erlebe ich meine Stadt von einer ganz anderen Seite und zwar von  der Seite als Hundehalter. Dem Werbeversprechen unseres Stadtoberhauptes Wowereit, dass Berlin arm ist aber sexy sei, möchte ich hiermit in aller Form widersprechen. Berlin mag arm sein, aber sexy würde ich zu diesem Dreckloch nun wirklich nicht sagen.

In den Straßen dieser Stadt liegt mehr Müll als auf mancher Müllkippe. Manchmal, wenn ich mit Theo um die Häuser ziehe, glaube ich kaum, dass ich in der Hauptstadt eines der wirtschaftsstärksten Länder Europas lebe. Bei dem Dreck auf den Gehwegen und in den Straßen dieser Stadt glaubt man eher in einem Slum zu wohnen als in Berlin.

Berlin ist dreckig und selbst diese Beschreibung ist noch untertrieben. Vor dem Einzug von Theo ärgerte ich mich noch hauptsächlich über Scherben auf den Radwegen, die mir wiederholt die Reifen meines Fahrrades zerschnitten, aber jetzt stechen mir seit ein paar Monaten ganz andere Dinge ins Auge.

Zigarettenkippen in Massen, Verpackungsmüll von Fast Food Restaurants, Dönerläden und Currywurstbuden, zerschlagene Fernseher, Flaschen, Dosen, Hundehaufen, Plastiktüten, Kabel, ausgeschlachtete Fahrradgerippe, kaputte und ausgemusterte Möbel, Nägel, Schrauben und Scherben, Scherben und nochmals Scherben.

Wahrscheinlich ist diese Stadt schon lange bevor Theo zu einem Berliner wurde so verdreckt gewesen. Seit ich aber ständig darauf achten muss, ob irgendwo Giftköder liegen, fällt mir der andere Dreck immer mehr auf.

Giftköder, das sind „Leckereien für Hunde“ in Form von Hackfleisch- oder Wurstbällchen, die mit Rattengift, Rasierklingen oder Nägeln gespickt sind und von bescheuerten Hundehassern in Grünanlagen und auf Gehwegen ausgelegt werden,

Ich frage mich ernsthaft, wie Berlin im Ranking der von Touristen besuchten Städte in Europa im Jahr 2012 auf Platz drei landen konnte. Müllkippen gibt es doch wirklich überall zu bestaunen, dafür braucht man nicht nach Berlin zu fahren. Dass auch die Berlinbesucher einen großen Teil dazu beitragen, dass es in den Straßen so aussieht, ist mir natürlich auch klar.

Vielleicht sind es aber auch die stinkenden, verdreckten, U- und S-Bahnhöfe, die einen Besuch in Berlin so anziehend machen. Die immer teuerer werdenden Fahrscheine zu den schäbigen und meist kaputten öffentlichen Verkehrsmitteln sind es sicher nicht.

Wenn die Menschen in Berlin sich nur ein klein wenig um Ihren Dreck kümmerten, könnte Berlin echt schöner sein. Aber das ist wohl zuviel erwartet. Neulich kicherten zwei „Damen“ mit einem kleinen Kläffer sogar hinter meinem Rücken darüber, dass ich den Haufen von Theo von der Strasse weggemacht habe, unfassbar.

Meine zu Theo laut ausgesprochene Vermutung, dass die beiden Tussis zu Hause sicherlich auch in ihr eigenes Wohnzimmer scheissen und den Dreck dort bestimmt auch liegen lassen, fanden die beiden Mädels dann aber irgendwie unverschämt. Aber wahrscheinlich denken die meisten ignoranten Hundehalter, dass die Hundescheiße zwischen dem ganzen anderen Müll auf der Straße nun auch nicht mehr auffällt.

Ich frage mich in letzter Zeit immer häufiger was die Männer der Berliner Stadtreinigung zwischen Dienstbeginn und Feierabend überhaupt machen. Höchstwahrscheinlich sind diese orange gekleideten, vermutlich unterbezahlten Menschen aber auch einfach überfordert. Berlin könnte so viel schöner und toller sein, aber leider scheinen dies die Menschen in dieser Stadt nicht zu wollen. Schade eigentlich!

Visueller Gruß

Michi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *