Pink Floyd

The Wall, Handy-Huhn-o-graph->

Hallo Welt,

das ich nun schon die dritte Woche wie ein Insekt mit meinen wunderschönen blauen Krücken als Tast- und Laufwerkzeug durch Berlin stelze, gibt mir die Möglichkeit, diese Stadt und ihre Menschen noch mal von einer vollkommen anderen Perspektive aus zu betrachten. Ich reibe mir hier fast täglich verwundert die Augen ob der Dinge, die mir hier so widerfahren.

Derjenige der Kiten als Extrem-Sport bezeichnet, sollte mal mit Krücken auf einem Bein mit der Berliner S-Bahn fahren. Sehr zu empfehlen ist hier die Strecke S1, möglichst zwischen 9.00 und 12.00 Uhr Vormittags zu Werktagen zwischen Yorck- und Friedrichstrasse. Allein der Weg zum Bahnsteig und zurück ist schon ein sportlicher Hindernislauf, dem Parkour in nichts nachsteht. Hundekacke, Schlaglöcher, Baustellen, Kopfsteinpflaster und Treppen als zu überwindende Hindernisse sind sehr abwechslungsreich und bieten genug Herausforderung, damit einem der Weg nicht langweilig wird.

Am Bahnsteig angekommen hat man nach dem Abstempeln der Fahrkarte noch kurz Zeit zu verschnaufen, bis die Bahn einfährt, dann geht der Spass erst richtig los. Die S1 ist zur Hauptverkehrszeit, in der viele Berufspendler Richtung Stadtmitte fahren müssen, ein Kurzzug. Das bedeutet, dass anstatt 4 oder 5 Wagons nur maximal 2 an die Bahn angekoppelt sind. Dass die Bahn hierdurch absolut überfüllt und selten bis nie ein Platz frei ist versteht sich also von selbst. Die Fahrt stehend, auf einem Bein, mit Krücken in beiden Händen, sich gleichzeitig irgendwo festkrallend, ohne umzufallen, zu überstehen, ist nahezu ausgeschlossen. Bei den spontanen Geschwindigkeits-Änderungen und dem permanenten Gewackel der Wagen kommt man sich auf Krücken vor wie die Kugel eines Flipperautomaten. Mein bisher einziger Selbstversuch dieser Übung endete in einer verwunderten Gruppe japanischer Touristen, die in meiner körperlichen Annäherung sicher einen Anschlag auf Ihre Devisen vermuteten.

Der Kampf um einen Sitzplatz hat seither erste Priorität. Manchen Menschen ist es schlichtweg egal ob und wie ich mich setzen kann, aber manchmal trifft man auch auf nette Mitmenschen welche die prekäre Situation, in der ich stecke, sofort erfassen und mich bei der Suche unterstützen. Eindrucksvoll in Erinnerung geblieben ist mir hierbei eine Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Ich persönlich steckte sie vorverurteilend  in meinem Kopf in die Schublade: Kategorie HipHop-Prolls, die Ärger machen. Aber dann, geschah das genaue Gegenteil. Diese Gruppe von 5 Leuten befreiten ungefragt und umgehend einen Sitzplatz von einem Touristen und sagten zu mir das ich mich setzen könnte. Das selbe wollten sie dann auch noch mit dem Platz mir gegenüber zum hochlegen meines Beines machen, aber das lehnte ich dankend ab. Ich hätte bei den Jungs mit allem gerechnet aber sicher nicht damit. Meine Kopfschublade habe ich danach zugenagelt. Leider erlebe ich vor allem mit Menschen in meinem Alter öfter das genaue Gegenteil.

Das nächste Problem ist das Aussteigen aus der angekommenen Bahn. Hier wird man dann von rüstigen Rentnern, Touristenhorden und arroganten Arschlöchern über den Haufen gerannt, die das besteigen einer S-Bahn mit dem Überleben der Schlacht von Stalingrad gleichsetzen. Augen zu und durch. Wie schwer kann es denn bitte sein, erstmal die Menschen, die in einer Bahn sind, aussteigen zu lassen, bevor man sich in eine Bahn prügelt. Ich bin ja nun wirklich kein U-Bahn Schläger aber seit etwa einer Woche setze ich in diesen Situationen gezielt meine Krücken als Waffen ein, um nicht totgetrampelt zu werden. Ich betrachte dies ausdrücklich als Selbstverteidigung gegenüber diesen touristischen S-Bahn-Hooligans. Dieses egoistische Pack kann man zusammengenommen nur noch mit Morlocks vergleichen. Nun aber zu netteren Dingen die mir so widerfahren sind.

Letzte Woche hatte ich noch einen Kommentar vergessen, den ich hier nicht unerwähnt lassen möchte. Das Konzert  von Roger Waters, The Wall von Pink Floyd. Selbst wenn ich mit Krücken dieses Event besuchen musste, gehörte dieses Konzert mit Sicherheit zu den geilsten Shows, die Ich jemals besucht hatte. Wer kann sollte sich das nicht entgehen lassen. Absolut sehenswert.

Was mich zur Zeit auch noch beschäftigt ist das Blog hier. Mich stört ein bisschen die Software, mit der ich diese Seite und das Blog hier am leben halte. Viele Dinge die ich gerne hätte, kann sie nicht, wie zum Beispiel eine Kommentarfunktion für dieses Blog. Gestern habe ich mal testweise auf einem anderen Server WordPress installiert und mir die Software angeschaut. Bisher aber noch ohne mich für eine Umstellung zu entscheiden. Ich hab ja Zeit im Moment und kann mich mit solch komischen Dingen beschäftigen. Bis es allerdings zu einer Umstellung von Planexi.de kommen wird, wird es aber sicher noch dauern. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Visueller Gruß

Michi

Hallo Ihr Zweibeiner,

ich als temporärer Vierbeiner habe meinen Geburtstag ja schon so einige Male nicht gefeiert. Ein Grund hierfür war, dass ich eben keinen wirklichen Grund finde, eben gerade meinen Geburtstag zu feiern. Dieses Jahr aber lasse ich es mal so richtig krachen. Ich werde mich unter ärztlicher Aufsicht mal ordentlich mit Drogen vollpumpen lassen, um danach genüsslich meinen Rausch ausschlafen zu können. Dass ich mir nebenbei den inneren Meniskus des rechten Knies wieder richten lassen kann, finde ich eine wirklich prima Sache. Natürlich war das alles genau so geplant, Geburtstage muss man ja auch planen, zumindest hört man dass immer. Ich freue mich wahnsinnig auf die nächsten Tage. Es gibt einfach nichts besseres als im Sommer in ein Krankenhaus zu gehen.

Nun aber mal Spaß beiseite, ich bin schon heftig genervt wegen meines Knieschadens. Die Diagnose Innenmeniskus Korbhenkel Riss und die Aussicht auf eine Knie OP hatten mich schon letzte Woche nicht grade zu Luftsprünge animiert, abgesehen davon, das dass mit dem springen zur Zeit sowieso nicht möglich ist. Da mache ich einmal ein bisschen Sport und bekomme direkt die Quittung dafür. Ein Bonus in Form eines gestählten Körpers wäre mir lieber gewesen. Ok, Verletzungen können passieren aber wieso muss das, was passieren kann, dann immer auch gleich mir passieren? Nun gut, ich werde es wohl überleben, ist schließlich eine Routine-Operation, aber lustig find ich es trotz dessen nicht.

Dass ich genau dann an meinem Geburtstag unters Messer komme, hätte ich jetzt nun wirklich auch  nicht erwartet. Andererseits hätte ich genauso wenig Lust darauf, dass an einem anderen Tag machen zu lassen.

Bei meinem ersten Telefonat mit der Charité sagte man mir, dass ich so in etwa zwei Wochen einen Termin für die Sprechstunde bekommen könnte und dann in weiteren 6 Wochen mit der OP dran kommen könnte. Acht Wochen, HALLO, wo leben wir denn überhaupt? Ich kann doch nicht 8 Wochen lang hier rumliegen, um dann dabei nichts machen zu können, ausser auf Krücken rumzuhampeln. Gut, ich konnte mich da durchsetzen, weil ich die richtigen Fragen gestellt und mich nicht hab abwimmeln lassen. Aber wer macht bzw. kann das schon?

Wenn ich mich hätte abwimmeln lassen wäre der Schaden im Knie wohl nicht mehr reparabel gewesen! Ich hoffe, dass andere Patienten sich genauso zur Wehr setzen können wie ich, aber ich denke eher, dass da schon so eine ganze Menge Menschen an der Termindurchsetzung scheitern. Ein wenig erschrocken über das Telefonat bin ich am Montag, den 06.06. um 9.15 Uhr in die Charité gehoppelt und hab mich dort auf eine sehr lange Wartezeit eingerichtet, weil man mich dazwischen schieben wollte.

Überraschend unerwarteter Weise lief dort dann alles sehr schnell und sauber organisiert ab. Die Ärzte waren sehr freundlich und haben bereitwillig Auskunft gegeben. Das Pflegepersonal war vorbildlich und ich um ca. 15 Uhr mit einem OP Termin für Mittwoch wieder zuhause.

Heute komm ich also unter das Messer. Ich hoffe, dass alles glatt geht und ich am Freitag wieder zu Hause bin. Schließlich will ich nächste Woche Mittwoch auf das Roger Waters Konzert, The Wall von Pink Floyd. Selbst wenn ich da mit dem Rollstuhl hin muss, ich freu mich schon über ein Jahr auf dieses Event und das lass ich mir nicht durch ein Knie versauen!

Danach werde ich wohl noch die ein oder andere Woche an der Rehabilitation zu knabbern haben aber da geht es ja dann wieder bergauf. Dann komme ich auch endlich wieder dazu, fotografierend auf die Pirsch zu gehen.

Ein visuell mit Krücken gewinkter Gruß

Michi

PS: Eventuell feiere ich nächstes Jahr mal meinen Geburtstag, ein Grund bestände dann eventuell darin, dass ich eben nicht auf dem OP-Tisch gelandet bin, mal schauen!