Pressefotografen

Tagchen,

fotografieren macht mir vor allem dann besonders viel Freude, wenn ich direkten Einfluss auf die Bilder habe. Als Pressefotograf bietet sich diese Möglichkeit leider nur seltenen. Häufiger wartet man an einem Ort auf ein Ereignis oder Personen, die man fotografieren will oder muss und drückt im richtigen Augenblick auf den Auslöser.

Dass dabei ein wirklich großartiges Bild entsteht, ist eher unwahrscheinlich und wenn doch, braucht es für eine solche Ausnahme eine gehörige Portion Glück. Pressefotografie ist für mich persönlich vor allem eins, Handwerk. Die Kreativität steht dabei Weiterlesen

Moin moin,

Die Resonanz auf mein Blog war letztes Wochenende wirklich unglaublich. Bis auf ein fettes Danke an diejenigen, die mir gezeigt haben, dass es in diesem Land auch Menschen gibt, die einen Text mit mehr als nur 140 Zeichen lesen und verstehen können, will ich dazu aber vorerst nicht mehr viel schreiben.

Seinen Lebensunterhalt mit kreativer, künstlerischer Arbeit wie Fotografie, Musik, Film oder Literatur zu bestreiten, ist ein sehr hartes Geschäft. Wenn Menschen dann die Ware, ob Bilder, Filme, Musik oder Texte einfach klauen und kostenfrei verbreiten, zerstörten sie mit ihrem Handeln, die Existenzgrundlage kreativer Menschen. Damit aber genug zu letzter Woche, es gibt schließlich ja auch noch andere Themen.

Dass die Fotografie für manche Menschen ein Beruf darstellt, sollte spätestens Weiterlesen

Hallo Ihrs,

die gute Nachricht zuerst, ich lebe noch. Wurde an meinem Geburtstag wie gewünscht, perfekt anästhetisch bewusstseinsverändert, operativ versorgt, vernäht und nach zweitägiger Rekonvaleszenz am Freitag wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Wunderbar, jetzt nur noch schnell das Knie heilen lassen und ich bin wahrscheinlich in 10 Wochen wieder fit. Das ist, wenn auch nervig, irgendwie absehbar. Doof nur, dass ich mit dem rechten Bein für 6 Wochen weder auftreten noch in die Hocke gehen darf. Frei fotografieren ist so also nur bedingt möglich. Wieso ich diesen Eintrag mit „Leben unter toten Menschen“ überschrieben habe, liegt an den Dingen die ich am Wochenende vor der OP erlebt habe und die ich hier doch mal ausführen möchte.

An diesem besagtem Wochenende vor meiner OP hatten das Huhn und ich Besuch von alten Freunden aus Fulda. Ursprünglich, also noch vor meinem Knie-Ding, war dieses Wochenende als Zeitreise angelegt. Wir wollten mal wieder raven wie in den frühen 90-zigern. Geplant war hierfür am Samstag auf den Berlin Summer Rave zu gehen und am Sonntag noch das Paule Kalkbrenner Konzert in der Wuhlheide zu besuchen. Sicher, beides ist nicht wirklich mit dem zu vergleichen, was wir früher so anstellten, wenn es ums Feiern ging, aber das war erstmal nicht wichtig.

Den Berlin Summer Rave mit Krücken besuchen zu müssen war nicht wirklich lustig. Eher anstrengend und dadurch, dass ich nicht mal tanzen konnte auch langweilig. Die super organisierte Party fand in drei Hallen und einem riesigen Aussenbereich des alten Flughafen Tempelhofs statt und es war für jeden etwas dabei, der auf elektronische Musik steht.

Für 23.00 Uhr war der erste Top Act angekündigt – Marusha. In der Halle, in der sie auflegen sollte, waren schon ca. 1500 Menschen versammelt, als die Show begann. Marusha konnte technisch gesehen auch früher schon nicht wirklich gut auflegen. Gelungene Übergänge sind die Ausnahme und die Musikauswahl, nun ja, dass ist Geschmacksache. Aber, und das ist Marushas wirkliche Passion, sie machte immer ne geile Show, was das Feiervolk mit wildem Tanz und ausgelassener Stimmung honorierte. Marusha habe ich immer als Gesamtkunstwerk betrachtet, bei dem es nicht um die technische Raffinesse Ihres Sets ging. Früher war Party wenn Marusha am Plattenteller stand. Und heute?

Ja heute ist alles anders. Ich war schon mehr als verwundert über dass was ich hier beobachten musste. Eingekeilt von unzähligen Pressefotografen betritt ein Urgestein der Techno und Rave Bewegung, die Grande Dame der Plattenteller, diese riesige Bühne des Flugzeughangars. Marusha ertrinkt förmlich im Blitzlicht-Gewitter als sie mit der Show beginnt.  Die interessierten Besucher der Veranstaltung konnten die Künstlerin zu dieser Zeit hinter der Wand aus Fotografen solange nur erahnen, bis die Security nach ca. 10 Minuten den fotografierenden Mob von der Bühne geschoben bekam. Marusha versuchte nun die vor der Bühne versammelte Masse zum feiern zu bewegen. Wirklich bemüht feuerte Marusha die gaffenden Menschen an und tanzte zur Musik hinter ihren Plattentellern. Und was machten die zum Feiern gekommenen Besucher daraufhin?

Gefühlt jeder zweite hob sein Handy in die Luft, filmte, fotografierte oder schnitt die Musik als Mp3 mit. In den folgenden 30 Minuten wartete ich nun darauf, dass die Menschen vor der Bühne das machen, was man gemeinhin bei einer Party so macht, eben: Feiern, Tanzen, Toben und Spass haben. Aber nichts passierte, die Menschen standen, glotzten und machten Dinge mit Ihren Handys. Mir reichte es mit dem traurigen Anblick dessen was sich früher mal ein Rave nannte genauso, wie mit dem Rumhumpeln auf meinen Krücken. Ich machte mich mit meinem Huhn durch die Hallen auf die beschwerliche Heimreise. Unsere Besucher Sven und  Steffen blieben noch ein paar Stunden auf dem Rave, den ich ohne Krücken eventuell auch nicht so früh verlassen hätte.

Den Sonntag mit dem Paule Kalkbrenner habe ich für mich dann aber ausfallen lassen, weil ich eine weitere Großveranstaltung auf Krücken nun wirklich nicht ertragen wollte.

So das soll es erstmal gewesen sein für heute, ick meld mir wieder ….

mit visuellem Gruß

Michi