Vor bald einem Jahr habe ich vor der Frage gestanden, ob ich in Kameratechnik investieren soll, die bald von ihren runderneuert und verbesserten Nachfolgern aus den Regalen verdrängt werden wird. Die damalige Frage war, ob ich mir die Nikon- D700 oder die D3s kaufe oder ob ich noch warte, bis ihre Nachfolger im Laden stehen. Warum ich mich letzten Endes für die Nikon D700 entschieden habe, könnt ihr im Blog nachlesen.
Der Nachfolger der Nikon D3s, also die Nikon D4, wurde ja bereits vorgestellt und nun steht in knapp zwei Wochen, am 07.02.2012, wohl auch die Vorstellung der Nikon D800 vor der Tür; also knapp ein Jahr nach dem Kauf meiner Nikon D700. Der ein oder andere mag nun auf den Gedanken kommen, dass ich mich dies jetzt ärgeren könnte, da ich nicht abgewartet habe oder ich meinen damaligen Kauf gar als eine Fehlinvestition ansehe.
Die Nikon D700 liefert mir genau das, was ich will, tolles Bildmaterial in einer ausgezeichneten Qualität, eben etwas das man sich gerne anschaut. Die Bilder kann ich anderen Menschen präsentieren oder auch verkaufen, ohne dabei ein komisches Gefühl zu haben. Sicherlich hängt Qualität nicht allein vom dem Werkzeug ab, mit dem etwas produziert wurde, sondern liegt auch daran, wer mit diesem Werkzeug arbeitet. Aber mit dem falschen Werkzeug kann man nicht unbedingt jedes erwartete Ergebnis erzielen, denn mit einem Schwarzweißfilm kann man z. B. auch nur schwer ein Farbbild erstellen.
Qualität kostet zudem auch einfach Geld, ob man dass nun gut findet oder nicht, ist hierbei zweitrangig. Ein Beispiel: Ich bekomme den Auftrag das Portrait eines Menschen zu machen und fotografiere dieses Bild einmal, mit der eingebauten Kamera meines Handys und ein zweites mal mit meiner lieb gewonnenen Nikon D700. Die Bilder welche hierbei entstehen sind beides Portraits und sie zeigen beide den selben Inhalt, eben das Bild des Menschen der fotografiert werden wollte. Die Frage nach der Qualität und der Nutzbarkeit des Bildes ist spätestens aber dann beantwortet, wenn der Fotografierte sein Bild nun in verschiedenen Größen als Fine Art Print im Wohnzimmer hängen haben möchte.
Die Schärfe, die Anmutung und auch die Ausdrucksstärke des Bildes wird beim Handy-Foto niemals so großartig sein, wie bei dem Bild, welches mit einer professionellen Kamera gemacht wurde, auch wenn der Inhalt identisch ist. Auch wird das geschulte Auge eines Fotografen oder Kameramanns ein besseres Ergebnis erzielen, als ein von einem Laien geknipster Schnappschuss.
Es kommt eben nicht immer nur auf die Inhalte an, sondern auch darauf, wie dieser Inhalt transportiert wird. Wenn ein qualitativ schlechtes Bild an der Wand hängt, wird spätestens der, der das Bild betrachten muss, genervt die Augen zukneifen, aber bei einem qualitativ hochwertigem Bild wird er eventuell staunend länger hinsehen. Erst recht, wenn das Bild im nach hinein auch noch hochwertig aufbereitet wurde.
Natürlich kann man der allgemeinen „Geiz ist geil“ Mentalität hinterher rennen und immer den vermeintlich kostengünstigsten Weg gehen, aber dann zahlen eben andere den Preis. Und wenn es nur die vor Schmerzen zugekniffenen Augen sind. Das gilt für Fotografien und Bilder genauso wie für Lebensmittel, Mode oder Dienstleistungen. Wer ein gutes Produkt möchte, muss einfach dafür zahlen oder letzten Endes auf Kosten anderer sparen.
Letzte Woche bekam ich die Anfrage für einen Job. Ich sollte einen Vortrag filmen sollte. Dieser Vortag sollte 8 Stunden dauern und dann von mir in voller Länge auf DVD ausgespielt werden, damit der Auftraggeber sie anschließend für über 200 Euro das Stück verkaufen könnte. Hätte ich diesen Auftrag angenommen, hätte ich ein hochwertiges Produkt erstellt, welches in HD-Qualität mit überarbeitetem Ton in einzelnen Kapiteln und zusätzlicher Dokumentation auf DVD ausgespielt worden wäre.
Der Auftrag hätte sich vom Aufwand für mich wie folgt dargestellt: 500 km Anreise zum Veranstaltungsort, an dem ich dann auch übernachtet hätte, mindestens 8 Stunden hinter der Kamera, während der Veranstaltung, zuzüglich der Kosten für Material und Technik. Nach Aufzeichnung wäre ich ich mit der DVD-Produktion weitere 2 Wochen intensiv beschäftigt gewesen.
Ich habe diesen Auftrag genau in dem Moment abgelehnt, als man mir sagte, dass mein Budget 800 Euro betragen würde und es auch jemanden geben würde, der „es für diese 800 Euro macht“. Der niedrige Preis wurde vom Auftraggeber ausserdem gerechtfertigt, weil die Qualität des Films egal sei, da es ja auch nur um seine Inhalte ginge.
Hätte ich diesen Auftrag angenommen, so würde ich spätestens nach der Aufzeichnung der Veranstaltung, auf eigene Kosten weiter arbeiten müssen, um den Auftrag beenden zu können. Wäre diese Produktion ein soziales Projekt oder wäre es ein Job, an dem mein Herzblut hängt, wie beispielsweise die Produktion eines Musikvideos einer noch unbekannten Band, deren Budget begrenzt ist, so wäre ich der letzte, der hier den Preis beanstanden würde.
Aber dem war hier eben nicht so, abgesehen von ausreichend vorhandenem Budget für die Produktion, wird sich dann sicherlich auch die 200 Euro teure DVD wohl gut verkaufen. Aus dieser Position heraus ein solches Angebot zu unterbreiten, ist für mich schon unanständig unverschämt.
Wie das fertige Produkt jetzt am Ende aussieht und ob die Qualität so gut ist, dass man sich diesen Film dann wirklich über 8 Stunden lang anschauen kann, kann ich nicht beurteilen. Ich hätte jedoch eine gewisse Erwartungshaltung an die Qualität eines Produkts dieser Preisklasse und wäre sauer, wenn diese nicht erfüllt würde.
Qualität hat eben seinen Preis. In diesem Bewusstsein habe ich mir auch letztes Jahr meine Nikon D700 gekauft, denn ich wollte tolle Bilder machen. Mit dem Kauf habe ich tatsächlich alles bekommen, was ich erwartet habe und dies habe ich bis heute zu keiner Sekunde bereut.
Qualität ist konstant und lebt in sich, denn meine Kamera macht auch dann noch tolle Bilder, wenn im Februar ihr Nachfolger vorgestellt werden sollte.
Visueller Gruß
Michi







